Achim, wie kamst Du auf die Idee, eine innovative mechanische Vorklärung zu entwickeln?
Schon während meines Ingenieurstudiums fiel mir ein großer Widerspruch in der Abwassertechnik auf. Während immerfort innovative Membranfiltrationstechnologien und biologische Behandlungen entwickelt wurden, gab es in der Vorklärung keine nennenswerten Fortschritte.
Marktgängige Lösungen waren veraltert und zum Teil mit gravierenden Nachteilen verbunden. So ist die Effizienz von Absetzbecken eher begrenzt und gleichzeitig mir einem enormen Platz-, Bau- und somit auch monetären Aufwand verbunden. Alternativen wie der Hydrozyklon sind zwar mit höheren Abscheidgrad der Feststoffe verbunden, jedoch extrem energieaufwändig. Zudem sind die Anwendungsbereiche von Hydrozyklonen auf einen bestimmten Partikelgrößenbereich von ausschließlich anorganischen Partikeln begrenzt. Lamellenschrägklärer zur Vorklärung von Abwasser sind ebenfalls weit verbreitet. Auf diese Technologie existiert kein Patentschutz mehr, da sie vor circa einem Jahrhundert entwickelt wurde. Somit werden Sie von unzähligen Anbietern des stark fragmentierten Abwassermarkts gebaut. Die Hauptnachteile der Lamellenschrägklärer sind deren Platzbedarf, Reinigungsaufwand sowie die limitierte Effizienz, die sie erreichen können.
Jedoch gerade der Vorklärung sollte eine viel größere Beachtung zuteil werden, war mein Gedanke. Die bahnbrechenden Entwicklungen zur Membran- und Biofiltration könnten durch eine verbesserte mechanische Vorklärung extrem entlastet und vereinfacht werden. Dies brachte mich auf die Idee, mich eingehender mit dem Thema zu beschäftigen. Nach der Entwicklung der ExSep-Technologie entschloss ich mich, ein Geschäftsmodell zur Vermarktung des Extrem-Separators auszuarbeiten. Nachdem ich mit dem Businessplan im Jahr 2005 den ersten Preis bei dem Luxemburger Start-Up Wettbewerb 1, 2, 3, Go! gewann, war der Startschuss für Epuramat gefallen. Der heutige CEO von Epuramat, David Din, war übrigens mein Coach bei diesem Wettbewerb. Wir beschlossen damals, die Firma gemeinsam zu gründen.
Was macht den ExSep so einzigartig?
Der ExSep erreicht eine extrem hohe Effizienz der Fest-Flüssigtrennung von bis zu 99% in nur einem einzigen Behandlungsschritt. Dies macht den ExSep bei vielen verschiedenen Anwendungen einzigartig, was seine Leistung betrifft.
Des Weiteren trumpft der ExSep aufgrund seiner enormern Platzersparnis im Gegensatz zu herkömmlichen mechanischen Anwendungen zur Vorklärung, wie beispielweise den gängigen Absetzbecken, auf. Dies führt zur Platzersparnis einer Epuramat-Kläranlage von bis zu 90% im Gegensatz zu konventionellen Klärsystemen.
Der ExSep beruht komplett auf dem Prinzip der Schwerkraft. Somit verbraucht er selbst auch keine Energie. Er kann sowohl organische, als auch anorganische Feststoffe aus dem Abwasser abscheiden und unterscheidet sich damit grundlegend von einem Hydrozyklon, der nur anorganische Feststoffe unter enormer Energiezufuhr separieren kann.
Eine weitere Einzigartigkeit ist die Tatsache, dass der ExSep bei manchen Anwendungen sogar ohne die Zugabe von chemischen Flockungshilfsmitteln auskommt. Dies ist bei verschiedenen Industrien von enormer Wichtigkeit, bei denen das gereinigte Wasser zurück in den Produktionslauf gelangen soll und Chemikalien unerwünscht sind. Ein gutes Beispiel hierfür ist die Kreislaufführung von Prozesswasser in der Porzellanherstellung. Das Wasser, welches bei dem Glasierungsprozess benötigt wird kann gereinigt wieder dem Kreislauf zugeführt werden. Eine Verunreinigung durch Chemikalien würde das Wasser dafür unbrauchbar machen.
Wie ist der ExSep in die Box4Water integriert?
Der ExSep ist das Herzstück einer jeden Epuramat Anlage und somit auch der Box4Water. Einzig und allein die extrem hohe Effizienz der Vorklärung durch den ExSep ermöglicht die kompakte Bauweise einer kompletten Kläranlage in nur einem Container: Die verbesserte Vorklärung durch den ExSep entlastet die nachfolgenden Reinigungsstufen, was in einfacheren und kleineren Gesamtsystemen resultiert. Die Box4Water ist das Ergebnis unserer zum Patent angemeldeten ExSep-Technologie sowie modernster Membran- und Biofiltrationstechnologien, vereint mit dem Know-how unseres erfahrenen Expertenteams.
Wofür wurde die Box4Water entwickelt?
Wir spielten schon länger mit dem Gedanken, ein mobiles Klärsystem zu entwickeln. Die Hauptvorteile der ExSep-Technologie sind eine extrem hohe Effizienz, gepaart mit einer enormen Platzersparnis. Die Box4Water macht sich beide Vorteile zunutze und vereint sie zu einer unschlagbaren Komplettlösung. Frisches Wasser aus dem Container gemäß dem Prinzip: Plug & Play – Aufstellen, Anschließen, Nutzen.
Unser Ziel war es, ein benutzerfreundliches Produkt zur Behandlung verschiedenster Abwasser zu entwickeln. Die Box4Water besteht aus einer Grundversion zur Vorklärung sowie verschiedener Module, die bedarfsgerecht in den Container integriert werden können. Die Basis der Box4Water bleibt dabei jedoch immer die Gleiche. Dies führt dazu, dass wir die Box4Water zeitnah ausliefern und an ihrem vorläufigen Bestimmungsort in Betrieb nehmen können. Langwierige Planungs- und Bauarbeiten, wie sie bei konventionellen Klärsystemen oftmals der Fall sind, fallen dabei weg. „Mit der Box4Water muss das Rad nicht jedes Mal aufs Neue erfunden werde“ beschreibt mein Ansinnen diesbezüglich wohl ganz zutreffend.
Was sind Deine Pläne für die Zukunft der Box4Water?
Mein Traum ist es, aus dem ExSep und der Box4Water einen „De facto Standard“ zu entwickeln. Dies bedeutet vereinfacht ausgedrückt, dass unsere Technologie als Industriestandard behördlich als solche anerkannt wird. Erreichen werden wir dies durch eine weitläufige Verbreitung unserer Anlagen. Nachdem wir die Box4Water erst im Januar 2009 erstmals der Öffentlichkeit präsentiert haben, erreichen uns bis dato zahlreiche Anfragen. Die ersten Kaufverträge für die Box4Water, sowohl im industriellen, als auch im kommunalen Sektor, sind bereits unterzeichnet. Dies stimmt unser Team extrem positiv, dass wir gemeinsam auf dem richtigen Weg sind, unseren Traum schnellstmöglich in die Realität umzusetzen.